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Welche Strategie verfolgt Xingbao und warum sollten wir ein Auge auf sie werfen?

Xingbao hat den Klemmbaustein nicht erfunden, Lego allerdings auch nicht. Was unterscheidet die beiden also? Die meisten AFOLs begegnen alternativen Herstellern von Klemmbausteinen mit viel Skepsis, manche auch mit offener Ablehnung. Oft führen sie gegen Marken wie Xingbao gleich mehrere Argumente ins Feld: die Qualität der Steine sei minderwertig, die Designs seien geklaut oder ständig fehlten bei den Sets Steine. Mit diesen Vorwürfen muss sich auch Mega-Construx (vormals Mega-Bloks) herumschlagen. Wer die Sets einmal selbst gebaut hat, weiß aber, dass das so nicht stimmt. Im Gegenteil: Inzwischen spricht vieles für Xingbao und andere alternative Hersteller von Klemmbausteinen.

Xingbao setzt auf eigene Designs und lizenzierte MOCs aus der Community

Xingbao ist jung und verfolgt einen ambitionierten Plan, der sich zunehmend in wirklich tollen Sets widerspiegelt. Statt wie andere chinesische Marken auf kopierte Designs zu setzen, hat Xingbao vor allem AFOLs im Visier. Seit 2017 bietet es anspruchsvolle Sets wie Dream Cars oder die Creative Cities an. Während Dream Cars sich wahlweise an der Technic-Reihe oder am alten Model Team von LEGO orientiert, werden die Sets aus der Creative Cities Serie vor allem den Fans der großen Modular Buildings gefallen. Wer sich auf die Sets von Xingbao einlässt, entdeckt oft unkonventionelle und interessante Bautechniken. Während LEGO seine erwachsenen Fans mit seinen Anleitungen und Designs zunehmend unterfordert, orientiert sich Xingbao an MOCs und dementsprechend anspruchsvollen Entwürfen. Die sehen nicht nur super aus, sondern bringen auch eine Menge Bauspaß.

Warum Xingbao für AFOLs einen Blick wert ist

Müssten wir die Kritik der Lego-Community auf zwei Punkte eingrenzen, wären dies folgende:

  1. LEGO verlangt immer mehr Geld für immer simplere Sets
  2. LEGO bietet immer seltener anspruchsvolle Designs (vor allem in der Technic-Serie)
Xingbao Maritime Museum
Ein tolles Set: Das Maritime Museum von Xingbao

Xingbao macht es genau umgekehrt: Die Designs richten sich vom Umfang und Anspruch her eher an Erwachsene als an Kinder. Gleichzeitig sind die Sets unschlagbar günstig. Das Maritime Museum ist mit 2.700 Teilen nicht nur massiv, sondern auch ein echter Hingucker, der voller interessanter Bautechniken steckt. Wo der dänische Hersteller bei seinen Gebäuden oft einfach die Rückseite wegspart (und uns das als Play-Feature verkauft), bietet Xingbao ein komplettes, mehrstöckiges Haus mit aufwendiger Stuckfassade und fantastischem Innenleben. Wer es direkt bei Xingbao bestellt, bekommt es schon für 160,- US-Dollar! Der Umweg über einen deutschen Amazon-Händler ist etwas teurer. Auch für die Technic-Fans bietet Xingbao einiges. Man schaue sich nur das Muscle Car von Designer Paul Boratko an: 2.000 Teile, ein super Design und das zu einem Preis von nur 60,- Euro. Zum Vergleich: Das Rallye Car von Lego (42077) hat bei einem UVP von 99,99 Euro gerade einmal 1.000 Teile und über das Design lässt sich streiten. Ein Hingucker oder technisches Wunder ist das Set in jedem Fall nicht, wie ich finde.

Xingbao sucht in Stellenanzeige nach erfahrenen Designern

Die tollen Designs kommen nicht von ungefähr. Statt die Designs von bekannten MOCs einfach zu klauen, setzt Xingbao auf Partnerschaften mit der AFOL-Community. Nicht nur Paul Boratko hat Entwürfe für aktuelle Xingbao-Sets beigesteuert. Auch Firas Abu-Jaber sowie Amador und Ramón sind mit wirklich tollen Modellen im Sortiment vertreten. Hinzu kommen eigene Designs, die sich weder vor MOCs noch vor den offiziellen Modellen von LEGO verstecken müssen. Das Ziel von Xingbao ist ganz klar, eine eigenständige und seriöse Marke aufzubauen, um damit den dänischen Platzhirschen herauszufordern. Dass in Zukunft noch mehr tolle Sets geplant sind, sieht man auch an dieser Stellenanzeige, in der Xingbao nach erfahrenen MOC-Designern für sein wachsendes Team sucht.

Der große Zielmarkt ist bei all diesen Vorhaben natürlich Asien. Das macht Sinn, denn hier sind die „Originale“ teilweise noch teurer als in den USA oder in Europa – und das bei niedrigerem Durchschnittseinkommen. In der 8-Millionen-Einwohner-Metropole Bangkok gibt es erst seit wenigen Wochen einen offiziellen LEGO-Store. Die meisten Menschen können sich die Sets dort schlicht nicht leisten. Dass alternative Hersteller wie Xingbao in Asien äußerst beliebt sind, haben auch Beyond the Brick festgestellt, als sie vor einiger Zeit in Vietnam zu Gast waren und dort eine lokale Gruppe AFOLs trafen. „Echtes“ Lego kauft dort kaum jemand. Das hat den netten Nebeneffekt, dass es aus Asien eine Menge toller Militär-MOCs gibt. Denn im Gegensatz zum dänischen Hersteller versperrt sich Xingbao militärischen Sets nicht. Es gibt sogar eine ganze Serie nur mit Jeeps, Panzern und Flugzeugen. Wer also Steine in Erdfarben, Dunkelgrün oder Grau sucht, wird bei Xingbao garantiert fündig.

Drei gute Gründe für Xingbao

Die Vorteile von Xingbao liegen auf der Hand:

  • Xingbao bietet anspruchsvolle Sets in tollen Designs und mit interessanten Bautechniken
  • Xingbao hat Sets im Sortiment, die wir bei LEGO vergeblich suchen
  • Sets von Xingbao sind unschlagbar günstig

Die rege Teilnahme an Spielzeugmessen, die liebevollen Designs der Verpackungen und die Stellenausschreibungen zeigen, dass Xingbao hoch hinaus möchte. Alles zielt darauf ab, eine seriöse Marke für Klemmbausteine aufzubauen. Ich bin gespannt, welche Ideen das Unternehmen in Zukunft umsetzt.

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